Was unsere STIMME über uns verrät  –  Reise zum eigenen Selbst

 „Sprich, dass ich dich sehe.“ So formulierte es einst Sokrates. 

„Man sieht nur mit dem Herzen gut“ lässt Antoine de Saint Exupéry den Fuchs in seinem „kleinen Prinzen sagen.

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Bei mir selbst resoniert dieser Ausspruch solange ich denken kann, denn ich wuchs mit einem blinden Großvater auf, der mich lehrte „mit den Ohren zu sehen“ und „mit dem Herzen zu hören“. Bis heute „sehe“ ich klarer, wenn ich die Augen schließe, und meine Ohren in mein Herz versenke.

Dafür gibt es sogar eine anatomische Erklärung, denn von unserem inneren Ohr reicht eine Verbindung – die sogenannte „Eustachische Röhre“ – über die Luftröhre hinter unser Brustbein. Wir hören uns selbst „von innen“ – in unserem Herzen – wenn wir sprechen oder singen.

Leider haben wir jedoch verlernt dies bewusst mit „offenem Herzen“ zu tun. Zu viel haben wir erlebt an Verletzungen und Zurückweisungen, an Be-wertung und Ab-wertung, an Missachtung und missverstanden Sein, dass wir unser Herz mehr und mehr verschlossen haben während unseres Lebens, dass wir „vergessen“ haben, wie sehr es uns Freund und Wegweiser sein möchte.

Vielleicht berühren uns die Worte des Fuchses bei seiner Begegnung mit dem kleinen Prinzen über das Geheimnis der wahren Freundschaft deshalb so sehr, weil sie eben jene Erinnerung in uns anschwingen, die nicht aufgehört hat, sich zu sehnen.

 

Mit den Ohren sehen

Intuitiv sind wir alle in der Lage „in Stimmen zu lesen“ und „mit dem Herzen zu hören“. Unser Organismus ist bereits im Mutterleib darauf ausgerichtet. Das Gehör ist der erste Sinn, der sich entwickelt – bereits in der 21. Woche reagieren Babys auf die Stimme ihrer Mutter, und sie können sie einen Tag nach der Geburt von anderen Geräuschen unterscheiden.

Es sichert unser Überleben zu „lesen“, ob eine Stimme uns wohlgesonnen ist, fürsorglich zugewandt oder ablehnend und vielleicht sogar „gefährlich“. Und auch, ob jemand ehrlich ist oder nur „so tut, als ob“.

Die Stimme ist so etwas wie ein „Urphänomen“, dessen Klang „die Umwelt als menschliche Welt überhaupt erst hervorbringt“, wie es Goethe einst beschrieb. Ein Mensch kann nur jemand sein, aus dem etwas hervor- oder hindurchklingt. („personare“**)

Eine „Person“ wird also dadurch definiert, wie sie klingt. Eine Persönlichkeit zeigt sich durch die STIMME. Sie ist sozusagen in ihr enthalten.

Dem „Ton“ der Stimme wohnt eine Unverkennbarkeit inne, welche sich durch Klangfarbe, Rhythmus, Betonung manifestiert. Daraus schöpfen wir im täglichen Leben eine stimmliche Bandbreite an Emotionen, ja sogar Charaktere, die wir wie Masken** aufsetzen.

 

Die wahre Sehnsucht

Es ist die nie versiegende Sehnsucht von anderen Menschen mit dem Herzen gesehen zu werden, mit und durch die Augen der Liebe. Einer Liebe, die nicht bewertet, keine Erwartungen an uns stellt. Die uns so annimmt, wie wir „wirklich“ sind, jenseits aller Masken** und Rollen, die wir „spielen“.

Deshalb lösen kleine Kinder und Tiere (z. B. Hunde) ein so angenehmes, liebevolles und entspanntes Gefühl in uns aus: Wir erinnern uns.

Als kleine Kinder sahen wir die Welt mit dem Herzen an, unbekümmert, neugierig und offen, ohne uns an Regeln zu halten und bestimmten Konventionen zu beugen, Wir schafften uns ständig eigene neue Regeln, folgten unserem Wohlbefinden und lebten unsere Emotionen unmittelbar. Wir brachten uns ungefiltert „zum Ausdruck“.

Weil ein Teil von uns sich erinnert, ist es für die meisten Menschen leicht, kleine Kinder mit dem Herzen anzusehen. Wir erkennen, dass sie es auch tun. Dass sie uns nicht bewerten, sondern uns nehmen, wie wir sind.

Mich „mit dem Herzen“ ansehen zu lassen, heißt zuzulassen, dass ich mich öffne und mich verletzlich mache. Im Umgang mit spielenden Kindern oder Tieren kann ich mich ganz ohne jegliche Schutzmaßnahmen meiner natürlichen Lebensfreude öffnen, jenseits des Verstandes.

Dadurch entsteht eine Beziehung, auch mit mir selbst. Ich komme in Kontakt mit meinem „wahren Ich“, mit dem unveränderlichen göttlichen Kern in mir.

Ich komme in Kontakt mit dem Teil, aus dem heraus ich als Kind gelebt habe und es entsteht die Sehnsucht, wieder aus diesem Teil heraus zu leben. Es entsteht der Wunsch, als erwachsener Mensch wieder den kindlichen und unbekümmerten Teil zu spüren und nicht vom rationalen Verstand heraus zu agieren.

Und hier kommt unsere STIMME ins Spiel.

Wer bin ich

Diese Frage ist oft – unbewusst – der wahre Antrieb, wenn Menschen zu mir kommen, um mit mir zu singen. Sie wollen sich selbst wiederfinden.

Da ich gelernt habe, mit den „Augen des Herzens“ zu hören, erkenne ich in jeder STIMME sofort ihre Essenz. Den göttlichen Kern, der auch „das innere Kind“ oder „die innere STIMME“ genannt wird.

Ich sehe es als meine einzige Aufgabe an, mich mit dieser Essenz zu verbinden, ihr zuzuhören, und dabei zu helfen, die Mauern und Blockaden beiseite zu räumen, die den Zugang zu dieser Essenz versperren.

Arbeit mit und an der STIMME ist für mich Befreiung von anerzogenen und angelernten Mustern, Regeln und Konzepten, die ein freies Schwingen der Seele behindern. Bei vielen meiner Schüler und Klienten ist der Raum, den sie sich selbst zugestehen unglaublich klein. Sie können nicht frei atmen. Sie können sich nicht in ihrer Größe aufrichten. Sie schlagen oft die Augen nieder, oder suchen einen Punkt außerhalb ihrer selbst, den sie „anschauen“, anstatt sich selbst zu sehen.

Sie haben keine Verbindung zu ihrem „inneren Selbst“. Sie „durchklingen“ sich nicht. Die Person verbirgt sich hinter der „Maske“ – „persona“** – die sie für sich selbst gewählt haben als die Rolle, in der sie gerne gesehen werden wollen. Doch in ihrer STIMME sind sie immer hörbar, als der Mensch, der sie wahrhaftig sind.

Wenn durch Schauspieltraining, Gesangsunterricht oder „Arbeit an Stimme, Sprache und Persönlichkeit“ der wahre Kern ans Licht geholt und die Seele wieder sichtbar wird, was sich im StimmKlang äußert, wird das Leuchten in den Augen zum erkennbaren Zeichen der „Verwandlung“. Zurück zum Schmetterling – raus aus der Erstarrung der „Puppe“ und der unersättlich hungrigen Raupe.

Wir hungern in Wahrheit nach uns selbst – wir erstarren aber an den Erwartungen, die wir an uns selbst stellen, und die von außen an uns gestellt werden. Wenn die eigene Stimme sich aus dieser Erstarrung wieder Bahn bricht, und die Panzer sprengt, erwacht der Schmetterling zum Leben, und wir erkennen, wer wir wirklich sind.

Wir alle haben Flügel, um mit Leichtigkeit unser Leben zu bestreiten, wenn wir uns wiedergefunden und erkannt haben, dass man uns nur eingeredet hat, es nicht wert zu sein in Freiheit zu leben. Dass wir nicht „würdig für den Schlüssel sind“. ***

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.
Christian Morgenstern

Anmerkungen:

** Das Wort „personare“ kommt aus dem Lateinischen – und bedeutet  „durchklingen“

** Das Wort „persona“ kommt aus dem Griechischen – und bedeutet „Maske“

 

***Um diesen letzten Satz zu verstehen à lies unser Buch „Der Weg hinter die Spiegel“

In deiner STIMME existiert ein Code, der dich einmalig macht.

Egal, was du tust,
egal, wohin du gehst,
egal mit wem.

Es ist dein innerer Kern, der dich immer begleitet –

dein Ich

deine Essenz

DEINE STIMME

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